Hochschulsteuerung, -Finanzierung & Elite
Der Rektor sieht das ganze juristisch, wenn was geändert werden soll müssen die Gesetze geändert werden. Wir wollen über Hochschulsteuerung, Hochschulfinanzierung und Elitediskussion sprechen.
Eliteuniversitäten:
Rot/Grün 2004?: Erste Ideen zur Einführung von Eliteuniversitäten, als weltweite Repräsentationsunis (Leuchttürme im Dunkel des deutschen Bildungssumpfes)
Ursprünglich 10 Eliteuniversitäten. Jetzt: Exzellenzcluster für bestimmte Fachbereiche/Fächer etc. (Wettbewerb um beste Forschungsuniversitäten)
Studiengebühren:
Begründungen
- Das Land hat kein Geld
- werden von den Befürwortern als eine gerechte Finanzierung gesehen
- Schaffen als Steuerungselement eine Marktsteuerung und dies soll zu guter Lehre führen
KapVO (das letzte mal in den 70er/80ern vorm Verfassungsgericht diskutiert): Land schreibt den Unis vor, wie viele Studierende sie aufnehmen – jeder neue Lehrauftrag verpflichtet zu zusätzlichen Studierenden
Vorm Verfassungsgericht angefochten: wenn Klage angenommen, und KapVO gekippt, können die Unis ihre Studierendenzahlen reduzieren und sich damit für die Exzellenz „gesund“ schrumpfen.
Theoretisch:
Bei einer Abschaffung der Höchstgrenzen für Studiengebühren und eine daraus resultierenden Vollfinanzierung müsste es einen Wettbewerb um die „guten“ Studierende geben. Folglich müssten die als „schlecht“ angesehenen Unis ihren Preis senken (z.B. Münster als „Massenuni“). Aber selbst bei Vollfinanzierung sind diese Steuerungseffekte sehr begrenzt (obwohl sie als Lösung für alles verkauft werden) denn es herrscht ein oligopolistischer Markt mit sehr vielen Nachfragern und nur wenigen großen Anbietern (Vergleichbar mit dem Strommarkt).
Grundsätzlich ist Vollfinanzierung aber utopisch:
Deshalb wird argumentiert das doch bereits bei 500Euro die als positiv angesehen Steuerungseffekte einsetzten und sich die Lehre verbessern wird, weil der Studierende als Kunde wahrgenommen wird.
Steuerungseffekte:
Studiengebühren: Gute Unis können höheren Preis nehmen, die Studis gehen trotzdem hin und die Lehre wird tendenziell besser Finanziert. Das Gegenteil gilt für Unis mit eher weniger gutem Ruf. Auch bei Exzellenzinitiative Förderung der Privilegierten, die eh schon besser versorgt sind. Verschuldungsdruck sorgt für Veränderungen bei der Studienfachwahl, Risiko zu hoch, Ausweichen auf Ausbildung, Verringerung der Chancen derjenigen mit geringerem Bildungsabschluss auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt sind. Faktisch eine „unkoordinierte“ Planwirtschaft auf dem Studiumsmarkt.
Gesamtgesellschaftliche Perspektive:
Die BRD hat eine der niedrigsten Studierendenquote im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern. Bildung ist aber wichtiger Faktor zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung einer Gesellschaft. Zum einen ermöglicht sie hochqualifizierte Arbeit, zum anderen ein selbstbestimmteres Leben und zumindest die Möglichkeit auf kritische Reflexion und gesellschaftlicher Veränderung.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es bei 500 € als Höchstgrenze für Studiengebühren bleibt?
Nicht hoch, da es nicht lange braucht bis die Hochschulen wegen eingefrorener Landesmittel mehr Geld fordern um die schlechten Lehrbedingungen zu verbessern.
Das Land hat zusagt die Ausgaben für die Hochschulen in der jetzigen Höhe beizubehalten?
Dies ist im Prinzip eine Kürzung, wegen der Erhöhung des Haushaltes (Durch Wirtschaftswachstum, Anstieg des Preisniveaus und Steuerwachstum) und dadurch der relativen Verringerung des Anteils der Ausgaben des Landes für Hochschulen.
Diskussionsansätze
A. Steuerungselemente
Steuerungseffekte:
- Steuerung der Universitäten durch Studierende nicht mehr in Gremien, sondern über Studiengebühren (Bereiche können nur noch bestehen, wenn genügend Studierende dafür zahlen)
- Der „marktliche“ Wunschtraum: Verbesserung der Lehre durch Studiengebühren, durch Evaluation und leistungsbezogene Entlohnung
- Bologna ist dabei als Steuerungselement zu sehen: Bachelor als Regel-/Massenabschluss und damit Produktion von Zweiklassenstudierenden
Stipendien als adäquates Auffangmittel?: Finanziert von BMBF, Auswahlkriterien, Bedingungen – Förderung von wem, nach welchen Kriterien?
ECTS als Steuerungselement? Nur nachgefragte Veranstaltungen werden noch angeboten –(aber Sinn von ECTS ist ein veranstaltungsunabhängiges Studium), damit eine Konkurrenz zwischen den einzelnen Seminaren. Also Wettbewerb zwischen den Unis, Fachbereichen und Seminaren. In der Konsequenz auch Wettbewerb zwischen den Studierenden.
Wettbewerb zwischen Universitäten/Rankings: hat das den erhofften Einfluss auf die Studierendenzahlen? Ist die Transparenz gewahrt, hat man die entsprechenden Informationen? – hat das den erhofften Steuerungseffekt?
Master als Steuerungselement, das die Elitenbildung und den Wettbewerb zwischen den Studierenden fördert (siehe ECTS)
Perspektive:
Öffentliche Diskussion, Zusammenarbeit der verschieden Statusgruppen an der Universität.
Andere Statusgruppen von den Argumenten überzeugen durch Inhalte. Dann kann man das HFG oder Studiengebühren verhindern durch Mehrheiten in den entsprechenden Gremien. – Aufruf an andere Gruppen: was haben die neuen Entwicklungen für Auswirkungen auf die unterschiedlichen Gruppierungen, auch Beschäftigte etc. man sollte sich nicht mit den verschiedenen Statusgruppen gegeneinander ausspielen lassen, sondern versuchen, zusammen für eine Ablehnung zu arbeiten.